Freitag, 4. März 2011

Leistung muss sich lohnen (Adam und Bruno -- Satire)


Adam:        Aber Bruno, wer hat denn dich so in Rage gebracht?
Bruno:        Es war ein Hippie.

Adam:        Wirklich ein Hippie? Gibt es sie denn überhaupt noch?
Bruno:        Ja, leider. Auf einen übrig gebliebenen Hippie bin ich gestoßen. Du weißt schon, einer von den sogenannten Blumenkindern, die uns von morgens früh bis abends spät mit ihren aggressiven Liedern gegen Krieg und die angebliche Zerstörung der Umwelt auf die Nerven gehen.

Adam:        Angebliche Umweltzerstörung? Wird die Umwelt denn nicht wirklich zerstört?
Bruno:        Sieh dich doch um, Adam. Wohin du auch blickst, überall grünt und blüht es … von Zerstörung kann wirklich nicht die Rede sein.

Adam:        Womit genau hat dich der Spät-Hippie denn nun in Wut versetzt?
Bruno:        Er warf mir vor, als Folge meiner Geldgier die Anzahl der Armen zu vergrößern. Als ich ihn höflich darauf hinwies, dass es purer Schwachsinn sei, was er da von sich gab, da fiel er völlig aus dem Rahmen und nannte mich einen Kapitalisten.

Adam:        Bist du denn etwa kein Kapitalist?
Bruno:        Selbstverständlich bin ich ein Kapitalist. Und darüber freue ich mich auch.

Adam:        Dann verstehe ich deine Reaktion aber nicht. Der Späthippie nennt dich einen Kapitalisten, und du bist deshalb ärgerlich?
Bruno:        Ich bin zwar ein Kapitalist, aber wenn dieser Späthippie den Begriff verwendet, ist das kein Lob, sondern eine Beleidigung. Und von so einem Hippie lasse ich mich doch nicht beleidigen.

Adam:        Wie kam er denn überhaupt dazu, dich einen Kapitalisten zu nennen?
Bruno:        Offensichtlich störte es den Hippie, dass ich ein Luxusauto fahre. Ich erklärte ihm dann freundlich, dass ich es mir nicht leisten könne, es mir in der sozialen Hängematte bequem zu machen, denn ich müsse Leistung zeigen.


 Bildnachweis: 296312_R_by_Hartmut910_pixelio.de

Adam:        Daraufhin hat dich der Späthippie sicherlich gefragt, woher du wüsstest, dass du viel geleistet hast.
Bruno:        Das stimmt genau. Hast du etwa auch schon mit diesen gescheiterten Typen zu tun gehabt?

Adam:        Nicht direkt. – Aber was hast du ihm dann geantwortet?
Bruno:        Leistung müsse sich lohnen, hab ich ihm als neue Erkenntnis vermittelt. Da besitzt dieser Verweigerer die Frechheit, zu behaupten, dass das, was ich von mir gebe, nur eine unbewiesene Behauptung sei.

Adam:        Wie hat er das mit der Behauptung gemeint?
Bruno:        Das war mir zunächst auch nicht so klar. Dagegen verstand ich sofort, dass ich nicht gerade jemanden mit viel Verstand vor mir hatte; deshalb ermunterte ich ihn sehr freundlich, einmal alles an Verstand, den er bei sich findet, zusammenzukratzen und sich von mir einmal etwas erläutern zu lassen.

Adam:        Vermutlich war er hocherfreut, dass du ihm etwas erläutert hast – oder?
Bruno:        Leider bin ich da nicht so sicher, denn er schaute mich ziemlich verdrießlich an. Aber ich vermute, dass es Menschen minderen Intellekts im Laufe der Jahre nicht mehr erfreut, wenn sie etwas hinzulernen können.

Adam:        Und womit hast du dann schließlich sein Wissen vergrößert?
Bruno:        Ich gab ihm etwas Nachhilfe in Logik.

Adam:        Nachhilfe in Logik?
Bruno:        Aber ja.

Adam:        Jetzt bin ich aber gespannt.
Bruno:        Zunächst hielt ich ihm die Prämisse vor die Nase.

Adam:        Wie lautet sie?
Bruno:        Ach, Adam, vielleicht solltest du mich nicht ständig unterbrechen!

Adam:        Gut, ich werde mir Mühe geben. – Wie lautet denn nun die Prämisse?
Bruno:        Leistung muss sich lohnen.

Adam:        Hat er dem zugestimmt?
Bruno:        Wahrscheinlich ja.

Adam:        Wahrscheinlich ja? – Was soll das heißen?
Bruno:        Darüber habe ich auch nachgedacht.

Adam:        Vielleicht verrätst du erst einmal, was er tatsächlich gesagt hat.
Bruno:        Was er gesagt hat? Ja richtig, das habe ich noch gar nicht verraten.

Adam:        Ach, Bruno, du machst es aber sehr spannend.
Bruno:        Auf meine allgemein anerkannte Erkenntnis Leistung muss sich lohnen sagte er nur na und?

Adam:        Na und? – Das war alles?
Bruno:        Daran kannst du ablesen, wie ihn dieses Argument getroffen hat. Ich vermute, dass er innerlich aufgegeben hat.

Adam:        Das nehme ich auch an. Wenn man erkennt, dass der andere so weit vom eigenen Standpunkt entfernt ist, dass es mehr Zeit und Mühe kosten würde, Argumente zu präsentieren, als einem die Sache wert ist. Hast du dann auch aufgegeben?
Bruno:        Nein, natürlich nicht. Der Wahrheit sind wir verpflichtet. Ich wiederholte also die Prämisse Leistung muss sich lohnen, wies auf mein Luxusauto hin und trumpfte dann auf:        Das ist der Lohn. Ihn erhält man nicht, wenn man sich in der sozialen Hängematte auf die faule Haut legt.

Adam:        Hat er darauf überhaupt noch eine Antwort gewusst?
Bruno:        Nein, deshalb meinte er kleinlaut, er habe nicht die Belohnung infrage gestellt, sondern die Leistung.

Adam:        An dieser Stelle hat er wohl aufgegeben und sich verzogen – oder?
Bruno:        Nein, das hat er nicht gemacht. Jetzt kommt doch erst das, was mich in Wut gebracht hat:  Auf meine Frage, ob er sich vorstellen könne, dass man das Luxusauto auch ohne Leistung erhielte, antwortet dieser Versager doch tatsächlich:         Ja, er könne sich das sehr gut vorstellen, denn das sei doch das Übliche. Ich wollte ihm schon eine gepfefferte Antwort geben, als er noch das I-Tüpfelchen lieferte, indem er behauptete:          Die einen leisten, und die anderen lassen sich dafür entsprechend belohnen. Bevor ich Luft holen konnte, um ihm meine Antwort in aller Deutlichkeit zu geben, fragte er mich schließlich noch, wer denn eigentlich die Leistung für mein Luxusauto erbracht habe.

Adam:        Du hast ihm doch hoffentlich keine Faust ins Gesicht gedrückt!
Bruno:        Nein, das habe ich nicht. Ich erkannte vielmehr, dass es sinnlos war, mit Menschen zu diskutieren, die nicht einmal über ein Minimum an Intelligenz und Verständnis für Logik verfügen. Denen kann man noch so gute Argumente liefern, sie verstehen sie nicht oder wollen sie nicht verstehen.

Adam:        Du hast völlig recht, Bruno, solche Menschen gibt es. Das Schlimme daran ist, dass sie es selbst oft gar nicht merken, dass sie zu dieser Gruppe gehören.
Bruno:        Dass sich Leistung lohnen muss, das weiß doch jeder. Gibt es daran etwas auszusetzen? Warum sollte sich wohl jemand anstrengen und etwas leisten, wenn er nicht mehr als das bekommt, was jeder Faulpelz erhält?

Adam:        Dann würde sich Leistung doch gar nicht lohnen.
Bruno:        Das ist doch mein Reden. Wer etwas leistet, soll für seine Leistung auch belohnt werden.

Adam:        Hast du den Eindruck, Bruno, dass sich Leistung wirklich lohnt?
Bruno:        Aber natürlich! Wir brauchen uns doch nur unsere Gesellschaft anzusehen. Die Leistungsbereiten können sich mehr leisten als die unwilligen Leistungsverweigerer in der sozialen Hängematte.

Adam:        Nach deiner Überzeugung spiegelt unsere Gesellschaft die Leistungsbereitschaft seiner Mitglieder wider:     Oben sind die Leistungsträger, die auch mehr verdienen, und unten sind die Verweigerer, die nicht selbst arbeiten wollen, sondern lieber andere für sich arbeiten lassen. Hast du eine Vorstellung, woher der Unwille kommt?
Bruno:        Sie haben es nie kennengelernt, wie befriedigend es sein kann, für seine Arbeit bezahlt zu werden.

Adam:        Für gewöhnlich wird nicht von Bezahlung gesprochen, sondern von der Arbeit und davon, wie befriedigend es sein kann, eine Arbeit sehr gut zu machen.
Bruno:        Wenn es aber keine Bezahlung gibt, ist die Leistung doch ohne Sinn. Schließlich muss sich Leistung lohnen.

Adam:        Und du meinst, Leistung lohne sich tatsächlich. – Was würdest du dazu sagen, wenn jemand käme und behauptete, dass sich in einer kapitalistischen Gesellschaft Leistung nicht lohne? Ich lese nämlich gerade in einem Buch*, dass sich Leistung eben nicht lohne, denn die Chancen für eine Karriere und damit verbunden für ein höheres Einkommen sind besser, wenn du um Leistung einen Bogen machst.
                         (* Wolf-Gero Bajohr:   »Ein Weg in die Leistungsgesellschaft mit mehr Gerechtigkeit«)
Bruno:        Da hat wohl jemand zu lange in der Sonne gelegen, oder er verwechselt Traum und Wirklichkeit.

Adam:        Was bedeutet es genau, dass sich Leistung lohnen muss? – Soll gleiche Leistung gleich belohnt werden?
Bruno:        Ja, so ist es.

Adam:        Wenn alle Menschen ein gleich hohes Leistungsniveau hätten, müssten also auch alle eine gleich hohe Belohnung bekommen und hätten vielleicht alle große Vermögen, aber wären sie auch reich?
Bruno:        Es sind ja niemals alle gleich leistungsbereit.

Adam:        Das war allerdings nicht die Frage, Bruno. – Einfach einmal unterstellt, alle wären gleich leistungsbereit, und sie müssten Deiner Aussage nach gleich belohnt werden. Setzen wir weiter voraus, dass alle nicht nur gleich fleißig sind, sondern auch gleich sparsam, sodass nach einiger Zeit alle ein gleich hohes Vermögen haben. – Sind dann auch alle gleich reich?
Bruno:In dem Fall wären natürlich alle gleich reich.

Adam:        Wären sie wirklich alle reich? Reich sein heißt doch, mehr als die meisten anderen zu haben. Wenn aber alle gleich reich sind, kann doch unter ihnen keiner wirklich reich sein, da schließlich alle über gleich hohe Vermögen verfügen.
Bruno:        Haben sie nun große Vermögen gebildet oder nicht?

Adam:        Sie haben alle viel geleistet und deshalb auch große Vermögen gebildet.
Bruno:        Große Vermögen bedeuten, das die Eigentümer reich sind.

Adam:        Ach Bruno! Wenn ein roter Ball bei anderen roten Bällen liegt, bleibt er selbstverständlich rot. Wie ist es mit großen Vermögen? Wenn auch alle anderen groß sind?
Bruno:        Mir scheint, Adam, dass Du einiges durcheinander bringst.

Wolf-Gero Bajohr

Montag, 14. Februar 2011

Kapitalisten sind anständig

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Mir fiel auf, dass Kapitalisten anständige Leute sind. . (Satire)


Viel zu oft lesen und hören wir, dass die Kapitalisten das Übel unserer Gesellschaft seien. Ohne sie ginge es vor allem den Armen erheblich besser.

Das Teuflische an Behauptungen ist, dass sie zwar durch noch so häufiges Wiederholen nicht zur Wahrheit werden, aber sie werden geglaubt.

Welch eine Abscheu haben doch manche Mitmenschen gegen die »Heuschrecken« genannte Gruppe von Kapitalisten. Nur weil sie Unternehmen zerschlagen, sollen sie keine anständigen Menschen mehr sein. Wer so denkt, hat nicht recht.

Was bedeutet eigentlich der Begriff »anständig«? Im Duden finden wir zwar etliche Bedeutungen wie beispielsweise moralisch, aber im Verständnis der Menschen unserer Gesellschaft hält sich der Anständige an die Regeln und Gesetze.

Wenn diese Regeln und Gesetze so gestaltet sind, dass sie fast alles erlauben, was Unternehmer, Kapitalisten, Selbstständige und Angestellte mit höherem Einkommen machen sollten, um zu Wohlstand zu kommen, dann haben diese Bessergestellten doch gar keinen Grund, ihre Anständigkeit aufzugeben.

Unanständig sind vielmehr die Ausgegrenzten, die Leistungsverweigerer, die Unterstützungsempfänger, die obendrein unseren Staat und unsere Gesellschaft beschimpfen.

Halten wir also fest: Auch »Heuschrecken« sind anständig.

Ihre Anständigkeit bekäme nur dann einen Kratzer, wenn sie Steuern hinterzögen oder gewöhnliche Verbrechen begingen, wie Mord oder Betrug.

Wolf-Gero Bajohr


Treppensteiger-Elektrorollstuhl

Mir fiel auf, dass es zwar den USA, Frankreich und Groß Britannien gelingt, jeweils einen Treppensteiger-Elektrorollstuhl zu entwickeln, aber nicht Deutschland.


Warum gelingt es deutschen Technikern und Ingenieuren nicht, einen Elektrorollstuhl zu entwickeln, der den Behinderten in die Lage versetzt, ohne fremde Hilfe Treppen zu überwinden?

Fehlt das technische Können, oder ist die Aussicht auf große Gewinne zu gering, weil der Markt für diese Art der Rollstühle zu klein ist? Die USA haben inzwischen -- vermutlich aus finanziellen Gründen -- die Produktion und den Vertrieb ihres Rollstuhls eingestellt.

Der Behinderte, der wie ich selbst auf einen derartigen Rollstuhl angewiesen ist, weil keine Hilfe zur Verfügung steht, die einen üblichen Treppensteiger bedienen könnte, steht jetzt vor der Wahl, für viel Geld ein Exemplar aus Frankreich oder Groß Britannien zu importieren, und zwar ohne das teure Gerät ausprobieren zu können und ohne eine garantierte Wartung vor Ort zu haben. Die einzige Alternative -- zumindest für zu Hause -- ist der Einbau einer Transporthilfe, wie zum Beispiel ein Deckenlift.

Es bleibt ein fahler Beigeschmack: Sind die deutschen Techniker und Ingenieure nicht kompetent genug, oder sind sie zu geldgierig? Beide Möglichkeiten verstärken den fahlen Beigeschmack.


Wolf-Gero Bajohr

Sonntag, 13. Februar 2011

Die sechs neuen Gebote





Mir fiel auf, dass sich etliche Leser an dem Begriff »Die sechs neuen Gebote« stoßen.


Sie fragen, warum wir sechs neue Gebote brauchen, obwohl sich doch die Zehn Gebote bewährt haben.

Diese Frage kann ich sehr gut nachvollziehen.

Als Moses die Zehn Gebote von Gott empfing, bestand die Gemeinschaft aus Juden, die einen einzigen Gott anbeteten – zumindest sollten – und ihr Leben an Gottes Worten ausrichten wollten. Wer sich dagegen wehrte, wurde vor das Lager geführt und gesteinigt. Die Gemeinschaft, die aus Ägypten geflohen war und jetzt durch die Wüste zog, sollte eine Gemeinschaft mit gleichen Zielen und gleicher Gesinnung sein. Abweichler wurden getötet. Diese Gemeinschaft war keine pluralistische Gesellschaft.

Heute lehnen wir es in Deutschland ab, von einer einzigen Glaubensgemeinschaft dominiert zu werden, wir bestehen darauf, dass die Religion eine private Angelegenheit sei und auch bleiben soll. Damit verbietet sich, dass die Regeln einer Religionsgemeinschaft für andere gelten sollen. Niemand darf gezwungen werden, die Regeln fremder Glaubensgemeinschaften zu befolgen.

Sehen wir uns jetzt einmal die Zehn Gebote vor diesem Hintergrund an, sollte uns auffallen, dass einige Gebote auf Gott bezogen sind und damit nicht mehr allgemeingültig sein können.

Wir brauchen jedoch Gebote oder Regeln, die frei von Verbindungen zu Glaubensgemeinschaften sind. Damit sind wir bei den sechs neuen Geboten. Sie wenden sich an keine Glaubensgemeinschaft, sie gelten für alle Menschen, die sich zu starken Menschen fortentwickeln wollen.

Wolf-Gero Bajohr






Montag, 7. Februar 2011

Das Wählen sollte von der Realität abhängen und nicht von Träumen




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Mir fiel auf, dass das Wählen oft auf Träumen beruht und nicht auf der Realität



Sieben* Wahlen im Laufe des Jahres 2011 machen es zu einem wahrhaftigen Wahljahr.
Das ist eine gute Gelegenheit, sich ein paar grundsätzliche Gedanken über das Wählen zu machen.

Es soll ja tatsächlich noch echte Demokraten geben, die vor jeder Wahl neu entscheiden, welche der Parteien sie wählen wollen.

Aber unabhängig davon, ob jemand aus Tradition eine bestimmte Partei wählt oder weil das Abwägen zu einer Partei geführt hat, jeder Wähler sollte sich eine wichtige Frage stellen und sie dann ehrlich beantworten.

Was erwarte ich von der Partei, die ich wählen werde?

Sie soll sich vor allem für
                        den Teil der Bevölkerung einsetzen, dem ich tatsächlich angehöre,
oder
den Teil, dem ich gern angehören möchte.

Der kleine Mann träumt davon, einmal ein reicher Mann zu sein, und wählt deshalb eine Partei, die sich vornehmlich für die reichen Wähler einsetzt, statt eine Partei zu wählen, die etwas sozialer eingestellt ist.

Wolf-Gero Bajohr




        * Wahltermine 2011

20.02.2011     Hamburg                                 Bürgerschaft (Neuwahlen)
20.03.2011     Sachsen-Anhalt                       Landtag
27.03.2011     Baden-Württemberg               Landtag
27.03.2011     Rheinland-Pfalz                       Landtag
22.05.2011     Bremen                                   Bürgerschaft
04.09.2011     Mecklenburg-Vorpommern     Landtag
18.09.2011     Berlin                                      Abgeordnetenhaus


Einzelheiten in Wolf-Gero Bajohr: Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft




Samstag, 5. Februar 2011

Eine Krankenversicherung für alle

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Mir fiel auf, dass die Vielfalt bei Krankenversicherungen 
                                            den Versicherten zum Nachteil gereicht.


Angeblich leiden alle Krankenversicherungen unter chronischem Geldmangel. Zumindest erfährt genau das der Versicherte, wenn er von seiner Versicherung eine Leistung erwartet.

Dieser Geldmangel ist zu einem wesentlichen Teil auf die Vielfalt der Versicherungen und auf Sonderbedingungen für einige Versicherte zurückzuführen:

Junge und gesunde Menschen mit  höherem Einkommen werden Mitglied in einer privaten Versicherung. Da diese Versicherungen erheblich weniger Ausgaben für Krankheiten ihrer Versicherten haben, können sie die Prämien niedrig halten, sodass der privat Versicherte für gewöhnlich weniger zahlt als entsprechende Arbeitnehmer in den gesetzlichen Versicherungen.

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Politiker und andere Beamte sind privat versichert. Da ihre Versicherungen nur die Hälfte der Kosten zu versichern brauchen, können sie natürlich günstige Tarife anbieten. Die zweite Hälfte der Kosten wird dem Beamten auf dem Beihilfewege erstattet, und das bedeutet, dass wir Steuerzahler die Kosten tragen. Aus der Sicht eines gesetzlich Versicherten stellt sich die Situation folgendenmaßen dar: Ist er beim Arzt, muss er Beamte vorlassen, da sie ja Privatpatienten sind, obwohl sie weniger aus der eigenen Tasche zahlen als wir und sich obendrein sogar noch von uns die zweite Hälfte der Kosten finanzieren lassen.

Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, als richtete sich dieses Blog gegen privat Versicherte.

Es soll nur ein Grundprinzip von Gerechtigkeit berücksichtigt werden. Ein Beispiel aus dem Autobereich soll das demonstrieren: Wer nur den Preis für eine Ente zahlen will, darf natürlich nur eine Ente fahren. Wer aber einen Porsche fahren möchte, sollte den Preis für den Porsche zahlen. Es darf also nicht so sein, dass der Porsche-Fahrer den Preis für eine Ente und der Ente-Fahrer den Preis für einen Porsche zahlen muss. Im Prinzip haben wir aber genau diese Situation bei den Krankenversicherungen.

Was ist zu tun? Die Lösung ist eigentlich ganz simpel. Für jede Einnahme ist ein fester Prozentsatz an eine einzige Krankenversicherung abzuführen, und zwar unabhängig davon, ob es ein kleiner Arbeitnehmer, ein besser bezahlter Arbeitnehmer, ein Politiker oder sonstiger Beamter oder ein Selbstständiger ist, oder ob es um jemandes Mieteinnahmen geht oder um Wertpapiereinnahmen. Für diesen Beitrag an die eine gesetzliche Krankenversicherung hat der Versicherte den üblichen Anspruch an die Krankenversicherung.

Wem dieser Service nicht reicht, hat die Möglichkeit, zusätzlich eine Privatversicherung abzuschließen, die dann Zusatzleistungen gewährt.
Im Endeffekt sollte es so sein, dass mehr Leistungen auch höhere Kosten bedeuten.

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Wolf-Gero Bajohr



Weitere Einzelheiten in meinen Büchern.

Freitag, 4. Februar 2011

Zufrieden – eine gute Charaktereigenschaft?

Mir fiel auf, dass der Begriff zufrieden zumindest zwei Seiten hat.



»Ich bin zufrieden«, pflegt eine alte Dame zu sagen. Sie äußert sich in einem Tonfall, als wollte sie die Welt darauf aufmerksam machen, dass sie ein ausnehmend guter Mensch ist.

Würde ihr jemand sagen, dass Zufriedenheit keine absolut gute Charaktereigenschaft ist, hielte sie ihn für einen Lügner oder sogar für geistesgestört.

Zufriedenheit kann die Ursache vieler Probleme sein, vor allem hindert sie so manchen Menschen an dem Versuch, ein Problem lösen zu wollen. Warum sollte jemand nach etwas anderem streben, wenn er mit dem Status quo zufrieden ist?

Welche der beiden Seiten von zufrieden ist richtig?

a) Ich bin zufrieden, sobald meine Wünsche erfüllt sind, der Rest der Welt interessiert mich nicht.

b) Ich kann nicht zufrieden sein, solange noch so viel Ungerechtigkeit um mich herum herrscht.


Wolf-Gero Bajohr


Donnerstag, 3. Februar 2011

Brot und Spiele oder mehr Gerechtigkeit


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Das Prinzip »Brot und Spiele« ist bereits sehr alt, immerhin haben schon die Römer während der Kaiserzeit danach regiert. Das Römische Reich ist längst Vergangenheit, dennoch gibt es das Prinzip noch immer.
Heute kämpfen zwar keine Gladiatoren mehr gegen Löwen oder andere Gladiatoren, aber für Unterhaltung wird auch in unserer heutigen Spaßgesellschaft in mehr als ausreichendem Maße gesorgt: Fußball, Tennis, Autorennen, niveaulose TV-Unterhaltung. Hauptsache, die Menschen kommen nicht zum Nachdenken. 

Kämen die Menschen durch ein Versehen doch einmal zum Nachdenken, würden sie vielleicht erkennen, dass sie auch als die sogenannten kleinen Leute Möglichkeiten haben, die Gesellschaft und damit ihr eigenes Schicksal zu beeinflussen.
Wolf-Gero Bajohr

Weitere Einzelheiten in meinem neusten Buch: Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft 


Montag, 31. Januar 2011

Die da oben werden es schon richten








Mir fiel auf, dass viele daran glauben, dass die da oben es schon richten werden

Als ich den Satz die da oben werden es schon richten das erste Mal hörte, hielt ich ihn noch für einen Scherz. Doch der Student, der ihn benutzt hatte, erklärte: »Warum soll ich meine kostbare Zeit für etwas verwenden, was andere machen sollen, die darüber hinaus mehr als gut dafür bezahlt werden.« Recht hatte dieser Student in einem Punkt tatsächlich: Die da oben richten es wirklich. Allerdings – zumindest können wir es unterstellen – berücksichtigen sie bei ihrem Tun nicht das, was dem kleinen Mann zum Vorteil gereicht, sondern das, was ihnen selbst oder ihren Förderern nützt … und das ist sehr oft das Gegenteil von dem, was für den kleinen Mann gut wäre.

Selbstverständlich wollen wir nicht das Gesetz der Straße, aber es gibt Bereiche, wo der kleine Mann durchaus Einfluss auf die Politiker nehmen kann und auch sollte. Hierzu gehört auf jeden Fall das Wahlrecht. Politiker sollten nicht selbst bestimmen, wie sie in die Parlamente gewählt werden, insbesondere ob Regeln gelten, die bestimmte Wählerstimmen für ungültig erklären.

Die Fünfprozentklausel bestimmt, dass Parteien nur dann ins Parlament einziehen dürfen, wenn sie mindestens fünf Prozent der Wählerstimmen erhalten haben. Schafft eine Partei den Sprung ins Parlament nicht, werden praktisch die für die Partei abgegebenen Stimmen für ungültig erklärt.

Politiker legten fest, dass nur Erwachsene wählen dürfen. Das führte dazu, dass ein Ehepaar ohne Kinder mehr Einfluss auf die Politik hat als eine alleinerziehende Mutter mit drei oder mehr Kindern. Und wir wundern uns, dass Deutschland in den Ruf gerät, kinderfeindlich zu sein. Warum hat nicht jeder Deutsche das Recht, zu wählen? Ist der Wähler noch zu klein, um selbst zu wählen, könnten Elternteile das Wahlrecht wahrnehmen, vielleicht Mütter für die Töchter und Väter für die Söhne.

Ein weiteres Betätigungsfeld ist die Besoldung der Politiker, ihre Ruhestandsbezüge und andere Leistungen. Politiker dürfen nicht alles selbst festlegen. Das führt zum Teil sogar zu Doppelzahlungen: Ein Minister erhält über sein Ministergehalt hinaus auch das Geld, das die Abgeordneten erhalten. Der übliche Angestellte darf in einem Unternehmen keine Nebentätigkeit ausüben, die ihm ein ähnlich hohes Einkommen beschert, wie seine Angestelltentätigkeit. Sein Unternehmen will seine volle Kraft. Abgeordneter oder Minister zu sein sind jeweils Tätigkeiten, die die volle Kraft des Stelleninhabers verlangen, da gibt es keinen Platz für die Nebentätigkeit als Minister oder als Abgeordneter.

Wenn der kleine Mann wollte, könnte er etliches bewirken, angefangen bei den Wahlbestimmungen bis hin zu den für Politiker gezahlten Einkommen und Ruhestandsgeldern. Eine sehr niedrige Wahlbeteiligung wirkt sich überhaupt nicht auf die Anzahl der Abgeordnetensitze aus. Die ausgewiesenen Stimmenanteile der Parteien sollten sich nicht auf die abgegebenen Stimmen beziehen, sondern auf die Anzahl aller potenziellen Wähler.

Die Möglichkeiten sind gegeben, doch der kleine Mann meint, die da oben werden es schon richten, und geht lieber zum Fußballstadion.

Wolf-Gero Bajohr

Ein paar Kommentare würde ich begrüßen!
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Einzelheiten in meinem neuen Buch Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft

Montag, 24. Januar 2011

Wie bringt man den kleinen Mann dazu, die Scheuklappen abzulegen?




Mir fiel auf, dass die Scheuklappen mancher Menschen festgewachsen zu sein scheinen.




Wie bringt man den kleinen Mann dazu, 
die Scheuklappen abzulegen?


Es steht außer Frage,
dass es wichtig wäre,
sich über die zukünftige Gesellschaft,
über die Gesellschaft der Kinder und Enkelkinder
Gedanken zu machen.

Sich Gedanken zu machen
kann allerdings nur der erste Schritt sein,
denn ändern lässt sich eine Gesellschaft nur
durch praktisches Handeln.

Wie überzeugt man den kleinen Mann,
dass es wichtiger ist,
die Gesellschaft gerechter zu machen,
als das aufregendste Fußballspiel zu verfolgen?

Möglicherweise sind seine Scheuklappen gar nicht angelegt, sondern festgewachsen.

Wolf-Gero Bajohr
24. Januar 2011

Mehr Einzelheiten in meinem neusten Buch Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft



Sonntag, 23. Januar 2011

Mehr Gerechtigkeit oder Fußball?




Mir fiel auf, dass wir uns durch Brot und Spiele noch genauso manipulieren lassen wie die Menschen im klassischen Rom.



Mehr Gerechtigkeit oder Fußball?

Ist das eine schwere Entscheidung?

Nein!
Es ist sogar eine sehr leichte Entscheidung!

Selbstverständlich fällt die Wahl auf
Fußball.

Die Begründung?

Während ich mir ein Fußballspiel ansehe,
bin ich vor der Versuchung sicher,
über Probleme nachzudenken:
zum Beispiel über einen Weg zu mehr Gerechtigkeit.

Wolf-Gero Bajohr
23. Januar 2011


Mehr Einzelheiten in meinem neuen Buch Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft






Freitag, 21. Januar 2011

Wie sollte sich der kleine Mann verhalten?

Mir fiel auf, dass zwar gegen Einseitigkeit argumentiert wird, meistens sogar zu recht. Doch es gibt Fälle, da ist die Einseitigkeit gerechtfertigt.


Einseitigkeit

Jemand sprach mich an und meinte,
dass mein Beitrag doch ziemlich einseitig wäre,
womit er an der Realität vorbeiginge. 

Es ist richtig:
Mein Beitrag ist einseitig,
denn ich will ja auch eine einzelne Gruppe aufrütteln,
nämlich die Gruppe der kleinen Leute.

Die kleinen Leute halten sich in der Mehrzahl für machtlos und meinen deshalb,
sie müssten alles, was von oben kommt, ergeben hinnehmen.
 Das ist falsch!
Der kleine Mann könnte durchaus so manches erreichen,
wenn er sich nur darauf einließe,
sich einzumischen.

Sofern der kleine Mann nur will,
lernt er sehr schnell die größte Schwäche seiner Gegner kennen,
denn sie ist leider auch eine seiner Schwächen,
und zwar die Gier.

Allerdings gibt es einen großen Unterschied,
und er bedeutet einen Vorteil für den kleinen Mann:

Indem er seine eigene Gier seinem Willen unterwirft,
erstarkt sein Charakter und räumt dem kleinen Mann schließlich die Möglichkeit ein,
sich gegen Bessergestellte durchzusetzen.
Wenn er sich nur intensiv genug für eine Zukunft mit mehr Gerechtigkeit einsetzt,
kann er sogar all die Bessergestellten überwinden.

Wolf-Gero Bajohr
21. Januar 2011

Näheres in meinem neuen Buch »Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft«


Donnerstag, 20. Januar 2011

Verhindert der kleine Mann eine gerechtere Gesellschaft tatsächlich?




Mir fiel auf, dass zwar den Reichen und Superreichen vorgeworfen wird, sie verhinderten die gerechtere Gesellschaft. Es stimmt sogar, aber sie sind nicht die Einzigen.


Dass der kleine Mann eine gerechtere Gesellschaft verhindert, 
ist ein hartes Urteil,
zugegeben!

Aber das Urteil trifft tatsächlich zu.
Was hätte es also für einen Sinn,
ihn zu bedauern?

Es würde ihn erst recht davon abhalten,
sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen
und alle Möglichkeiten zu nutzen.

Es gibt etliche Möglichkeiten.
Auf jeden Fall gibt es erheblich mehr,
als der kleine Mann vermutet.

Wolf-Gero Bajohr
20. Januar 2011

Weitere Einzelheiten in meinem neuen Buch
Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft
Es wurde extra für den kleinen Mann geschrieben. 

 

Mittwoch, 19. Januar 2011

Der kleine Mann verhindert eine gerechtere Gesellschaft



Mir fiel auf, dass zwar viel über gerechtere Gesellschaften gesprochen wird. Warum haben wir sie nicht längst? Wer verhindert die gerechtere Gesellschaft?


Der kleine Mann
verhindert
eine
gerechtere Gesellschaft


Der kleine Mann ist im Grunde der Einzige, 
der von einer gerechteren Gesellschaft 
uneingeschränkt Vorteile hätte.
Sollten wir unter diesen Umständen nicht erwarten,
dass er den Weg in eine gerechtere Gesellschaft vehement anstrebt?

Weit gefehlt!
Tatsächlich sind es gerade die vielen kleinen Leute,
die eine gerechtere Gesellschaft verhindern.
Und sie werden es weiterhin tun.

Warum?

Wie fast immer, so gibt es wohl auch hier verschiedene Gründe.

Ein entscheidender Grund ist die Art der Freizeitbeschäftigung.
Davon gibt es zwei Arten:
Die eine Art regt zum Denken an,
die andere verhindert das Denken.

Damit stehen wir vor der Frage:
Ein Buch lesen oder ein Fußballspiel verfolgen?

Ein gutes Buch zu lesen fördert das Denken,
zum Fußballspiel zu gehen verhindert das Denken.

Wer jetzt darauf hinweist,
dass der kleine Mann nicht der Einzige ist,
der den Grad der Gerechtigkeit beeinflusst,
der hat völlig recht.
Natürlich sind auch die Bessergestellten bis hin zu den Superreichen
daran beteiligt.
Aber dürfen wir von ihnen erwarten,
dass sie gegen ihre eigenen Interessen handeln?

Die Wende zu einer gerechteren Gesellschaft
verhilft schließlich nur denen zu einer Besserung ihrer Lage,
die heute benachteiligt werden.
Und das sind die kleinen Leute.

Warum kümmern sie sich so wenig um ihr eigenes Wohlergehen?

Die Antwort ist einfach!

Von der inneren Einstellung her ist der kleine Mann ein Reicher.
Dummerweise fehlt ihm der Reichtum,
um für alle erkennbar ein wirklicher Reicher zu sein.

Wolf-Gero Bajohr
19. Januar 2011

Ausführlicher in meinem neuen Buch Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft