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Freitag, 21. Januar 2011

Wie sollte sich der kleine Mann verhalten?

Mir fiel auf, dass zwar gegen Einseitigkeit argumentiert wird, meistens sogar zu recht. Doch es gibt Fälle, da ist die Einseitigkeit gerechtfertigt.


Einseitigkeit

Jemand sprach mich an und meinte,
dass mein Beitrag doch ziemlich einseitig wäre,
womit er an der Realität vorbeiginge. 

Es ist richtig:
Mein Beitrag ist einseitig,
denn ich will ja auch eine einzelne Gruppe aufrütteln,
nämlich die Gruppe der kleinen Leute.

Die kleinen Leute halten sich in der Mehrzahl für machtlos und meinen deshalb,
sie müssten alles, was von oben kommt, ergeben hinnehmen.
 Das ist falsch!
Der kleine Mann könnte durchaus so manches erreichen,
wenn er sich nur darauf einließe,
sich einzumischen.

Sofern der kleine Mann nur will,
lernt er sehr schnell die größte Schwäche seiner Gegner kennen,
denn sie ist leider auch eine seiner Schwächen,
und zwar die Gier.

Allerdings gibt es einen großen Unterschied,
und er bedeutet einen Vorteil für den kleinen Mann:

Indem er seine eigene Gier seinem Willen unterwirft,
erstarkt sein Charakter und räumt dem kleinen Mann schließlich die Möglichkeit ein,
sich gegen Bessergestellte durchzusetzen.
Wenn er sich nur intensiv genug für eine Zukunft mit mehr Gerechtigkeit einsetzt,
kann er sogar all die Bessergestellten überwinden.

Wolf-Gero Bajohr
21. Januar 2011

Näheres in meinem neuen Buch »Kapitalismus oder Leistungsgesellschaft«


Dienstag, 22. September 2009

Was die Leistungsgesellschaft verhindert, sollte ...

Mir fiel auf, dass zwar viel über Demokratie geredet und geschrieben wird, dass aber der wichtige Ansatzpunkt für mehr Demokratie vernachlässigt wird, nämlich die Wahlen.


Was die Leistungsgesellschaft verhindert, sollte ...

Sobald wir herausgefunden haben, was die Einführung einer Leistungsgesellschaft verhindert, stehen wir vor der Frage, was wir mit dem Hindernis machen sollen.

Der erste Gedanke ist sicherlich, das Hindernis aus dem Weg zu räumen. Das liest sich zwar gut, ist aber in der Praxis nicht leicht durchzuführen.

Wie denken wir über die vorstehende Lösung, wenn wir feststellen, dass ausgerechnet das, was allgemein als Belohnung für gute oder sehr gute Leistungen gesehen wird, wenn also das höhere Einkommen die Leistungsgesellschaft verhindert? Werden wir dann ein Einheitseinkommen einführen? Es wäre zumindest konsequent. Doch der Widerstand dagegen wird sicherlich gewaltig sein.

Aber warum eigentlich? - Wir stellten fest, dass menschliche Leistung bis auf wenige Ausnahmen nicht gemessen werden kann, sodass jeder Versuch, das höhere Einkommen mit höherer Leistung zu begründen, dem Versuch gleicht, sich hinter einem Baum zu verstecken, der gar nicht vorhanden ist.

Was haben wir also dagegen, dass unser Nachbar ein gleich hohes Einkommen hat? - Es sind unsere menschlichen Schwächen, wie Gier in ihren vielfältigen Formen, Neid und Missgunst. Das Erstaunliche dabei wäre, dass selbst die Arbeitskräfte, die von einer Leistungsgesellschaft profitieren würden, gegen ihre Einführung sind.

Auf der einen Seite haben wir festgestellt, dass sich menschliche Leistung nicht objektiv messen lässt. Auf der anderen Seite möchten wir erreichen, dass Leistungen einen entscheidenden Einfluss auf die Arbeitsplatzvergabe haben.

Wie wird sich jemand fühlen, der einen Arbeitsplatz ausfüllen soll, der ihn eindeutig überfordert? Erhält er auf diesem Arbeitsplatz ein deutlich höheres Einkommen, lässt er sich gewiss damit trösten. Doch was geschieht, wenn es kein höheres Einkommen gibt?

Ist dann nicht damit zu rechnen, dass sich der Überforderte um einen Arbeitsplatz bemüht, der seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht?

Es bleibt dabei, dass die menschliche Leistung nicht gemessen werden kann. Wer jedoch einen Arbeitsplatz ausfüllen soll, merkt selbst durchaus, ob seine Leistung ausreicht.

Überlassen wir die Auswahl eines Arbeitsplatzes dem, der ihn ausfüllen soll, und kein unterschiedlich hohes Einkommen beeinflusst die Auswahl, dann ist mittel- oder langfristig damit zu rechnen, dass Leistung doch eine entscheidende Rolle spielt, sodass wir behaupten könnten, wir hätten eine Leistungsgesellschaft.


Freundliche Grüße
Wolf-Gero Bajohr